Der zweite Atem

STERN // Ausgabe N° 6/2023
Bildredaktion: Andreas Trampe
Text: Bernhard Albrecht

Antibiotika verlieren an Wirkung. Für Schwerkranke gibt es eine neue Hoffnung, die eigentlich alt ist: die Phagentherapie. Wer kann von ihr profitieren?

Anil war zwölf, als er zum ersten Mal Viren inhalierte. Er saß auf seinem Bett auf Station 63 der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), in der Klinik für Kinderheilkunde, und stellte sich vor, wie die Viren in seine Bronchien strömen und dort den Kampf beginnen – gegen seine chronische Lungeninfektion. Würde es warm werden hinter der Brust? Würde es wehtun? „Doch ich habe nichts gespürt“, erinnert er sich heute.

Der russische Arzt Ewgenii Rubalskii hat etwa 100 Phagen aus Klärwasser isoliert. Sie lagern in einem Kühlschrank in Hannover

Die Arbeitsgruppe Phangenforschung: Die MHH ist eines von wenigen Zentren in Deutschland, an dem Ärzte dieses medizinische Experiment wagen. Und das einzige, das selbst die Heilviren züchtet, mit Sondererlaubnis des Gewerbeaufsichtsamts.

Pionier der Phagentherapie:
der Herz- und Thoraxchirurg
Christian Kühn aus Hannover

Prof. Dr. Axel Haverich, Leiter der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie bei einer Besprechung mit der Arbeitsgruppe Phangenforschung

Der 13-jährige Anil leidet an Mukoviszidose. In einer Klinik in Hannover inhaliert er, unterstützt von der Physiotherapeutin Kerstin Kaps, Viren, die Bakterien zerstören sollen

Drei Mal war Anil im Laufe eines Jahres in Hannover, und jedes Mal inhalierte er über zwei Wochen lang morgens und abends Phagen.

Die großen Ziele sind für Anil jedoch weiterhin: die Eliminierung seines Problemkeims. Und danach die Lungentransplantation.
Ein neues Leben.

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Stephan Reinhardt // Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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